Omma auf Insta

Habe geträumt, ich treffe Om. Wir gingen am Meer spazieren, es war ein riesiger Kurort. Ich holte zwei mal Bärlauchpesto im Delikatessenshop. Mam tauchte auch kurz auf: Der Traum war so losgegangen, dass ich Mams Rucksack zu beaufsichtigen hatte und eine Kamera rausfiel. “Wem is denn die?”, fragte ich mich. Noch einen kurzen Moment vorher war ich mit Schulkollegen im Auto unterwegs gewesen – ich hatte nach drei 50€-Scheinen gefragt. “Desesperada”. Doch die hatten so ein Loch drin! Es müssten drei gewesen sein.

Dann fiel plötzlich die Outdoor Kamera von Mam aus dem Rucksack und ich mache sie an, um zu gucken, was für Fotos drauf sind. Wir sehen Familienbilder- und videos in der Natur. Mam ist zu sehen, Mam läuft Richtung Linse, ihr Blick: unergründbar. Doch ich denke, sie ist glücklich. Nun bin ich mit ihr und Om wiedervereint. Mam hat nur ein Abendbrot bestellt. Om und ich gehen zusammen. Auf einmal war sie wieder ganz da, meine Om… Wo ich noch die letzten Tage gedacht hatte “Ich weiß gar nicht mehr, wer du wirklich bist…” A-ah! Om war da, über 90 und– auf Social Media unterwegs!!

Du bist auf Instagram, Omma?!, hörte ich mich im Traum laut sagen.

“Ja und auf Linked-In…”, antwortete sie & wir sahen auf einem grossen Bildschirm ihren Account. Man sah meine Oma vor Feuer-Ritualen! Eine neugierige lebenslustige Frau mit loderndem Lockenschopf und stets einem Blick, ganz klar, ganz egofrei – serving. Dienen. Der Mission ergeben.

Wir sehen sie, wie sie mit einer Kollegin weggeht und ganz unverschämt sagt: “Du, das hab ich nicht verstanden…!”. Dann gucken wir ihr Insta – es sind wunderschöne Porträts, klare Slides, Verbindung, Übersicht, Dienen. Das hätte sie grad für die DB und die Sparkasse gemacht, von denen kriegte sie auch noch Geld. Sie war ganz unbeeindruckt. Her Shit together. Danke Om, I get the message. Wo immer: DA SEIN.

charlotte ernst